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Ein Bluemlein waechst am Werrastrand, war vorher umgetopft. Kam rueber aus dem Allgaeuland und wurde vollgestopft mit rosa Propagandaduenger. Doch ungeachtet dessen wuchs sie, (sie wurde auch nicht gerade juenger) heran bis jener Juengling trug sie schnell weg vom Hause beider Eltern. Genossen beide jetzt die Wonne, wie guten Wein (ihn muss man keltern) und gegenseitig schien die Sonne, was jungem Glueck nie Abbruch tut. Die Jahre flogen gegen Westen und Falten zeigten sich alsbald, bei Haenschen stand es nicht zum besten, drum zogen sie nah an den Wald. Dort hausen sie noch heute und tun ihr schoen Staedtchen ueberschauen, sie sehen keinen guten Grund dem Ruf der grossen Welt zu trauen. Das Haus ist gross, behaglich warm, Schuld hier zum Teil die Kunst des Bauens, doch waer' die Atmosphaere arm ohne ein Klima des Vertrauens. Die Frau, die wir mit Freuden kennen, bekannt ist sie als PDW. Ich will sie nicht beim Namen nennen, ist heut kein Gloeckchen mehr im Schnee. Sie ist herangereift zum Veilchen. Bedaechtig ist ihr neues Motto, weilt man bei ihr auch nur ein Weilchen, dann sieht man gleich dass sie und Otto das Leben meistern, und im Griff hat man die Sorgen und die Freuden, der eine steuert ja das Schiff, der and're zeigt den vielen Leuten, dass hinter jedem guten Mann 'ne gute Seele stehen sollte, die uebersichtlich denken kann, und koennte manchmal, wenn sie wollte die Zuegel in die Hand selbst nehmen. Ein Beispiel fuer so viele Frauen, die agitieren, sich nicht schaemen und allen dann den Tag versauen. Oh nein, sie schafft wie sonst kaum eine, sie murrt nur selten, weiss Bescheid, dass manchmal eine klitzekleine verzoegerte Gelegenheit nur dann den Sinn des Daseins froent, wenn man die Seele in der Brust, (der Goethe sagte es verschoent) , nicht hat, dann lebt man nur im Frust. Gerade das hat uns're Karin: Ein gutes Mass an Qualitaeten. Ich sehe sie als eine Zarin unter Millionen von Proleten. Drum wuenschen wir dem lieben Veilchen, dass nicht nur dieses naechste Jahr, doch viele Jahr', ein langes Weilchen, sie bis ins hohe Alter gar noch wirkt und webt und kocht und laechelt, und blendende Gesundheit haelt, und wenn ihr warm ist, Otto faechelt ihr kuehle Luft zu und bestellt den Schoppen der am besten schmeckt. Gekuehlt, serviert im Kristallglas. Und nach dem Essen gibt es Sekt, den Wunsch ihr aus den Augen las. Man koennte weiter noch so schwafeln, doch darf man dabei nicht vergessen: Wer nun beim Essen und beim Tafeln Gedichte liest, kommt nicht zum Essen.
Herbert Nehrlich
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